#1 RE: Predigt am 11.07.2004 - Bundespräsident Köhler von Michael Wargowski 04.11.2010 23:00

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Zitat
Video:
http://www.youtube.com/watch?v=Nfia8d70Gns
http://gloria.tv/?media=82931

Text:
http://www.kreuz.net/bookentry.7644.html
http://www.kirchenlehre.com/p_040711.htm


Predigt am 11.07.2004

Bundespräsident Horst Köhler

- 6. Sonntag nach Pfingsten; Röm 6,3-11; Mk 8,1-9 -

(Kirche zum Mitreden, 16.06.2010)

Wörter: 1067

[Die Predigt wurde bislang nur per e-mail verbreitet; aus aktuellem
Anlass (Abgang von Horst Köhler) nun die weitere Verbreitung.]

Seit kurzem hat Deutschland einen neuen Bundespräsidenten: Horst Köhler, direkter Nachfolger von Johannes Rau. In seiner Antrittsrede am 1. Juli 2004 im Deutschen Bundestag sagte Köhler: "Ihnen, sehr verehrter Herr Bundespräsident Rau, ist gedankt und Sie sind gewürdigt worden. [...] Für Sie, lieber Herr Rau, ist es immer der einzelne Mensch in seiner unverwechselbaren Würde, der im Zentrum Ihres Denkens und Handelns steht. Und es ist Ihr christlicher Glaube, der Ihr Menschenbild prägt. So haben Sie das Vertrauen der Menschen gewonnen. So waren Sie im besten Sinne ein Bürgerpräsident. So bleiben Sie uns Vorbild. Lieber Herr Rau, wir danken Ihnen heute dafür. Wir danken Ihnen für Ihren großen Dienst an unserem Land. [...] Meinen Amtseid verstehe ich als Verpflichtung, zur Erneuerung Deutschlands beizutragen. Als Bundespräsident werde ich hinschauen, nachfragen, auch hinterfragen. Persönlicher Kompass ist mir dabei mein christliches Menschenbild und das Bewusstsein, dass menschliches Tun am Ende immer vorläufiges Tun ist. Ich bin Optimist." Welcher rechtschaffener Mensch könnte angesichts so viel erklärter Christlichkeit bei den Staatsoberhäuptern nicht ebenfalls optimistisch hinsichtlich der Zukunft unseres Landes sein? Schließlich haben die Päpste immer wieder die Vorteile betont, die dem Staat aus der Wahrung seiner Pflichten Gott gegenüber erblühen. Pius XI. mahnte (Ubi arcano, 1922): "Weil die Menschen zu ihrem Elend von Gott und Jesus Christus abgefallen sind, deshalb sind sie aus dem früheren Wohlstand in diesem See von Plagen versunken [...]. Hat man einmal Gott und Jesus Christus aus der Gesetzgebung und dem staatlichen Leben verbannt, leitet man die Autorität nicht mehr von Gott, sondern von den Menschen ab, dann entzieht man auch den Gesetzen ihre wahre und unerschütterliche Kraft, die Gehorsam sichert, [...] die Grundlage der Autorität selbst wird zerstört, wenn man ihren Ursprung leugnet [...] Jesus, der Herr, herrscht schließlich im Staat, wenn in ihm Gott die höchste Ehre erwiesen wird, wenn er von Gott Ursprung und Recht seiner obrigkeitlichen Gewalt herleitet, so daß die Regierungsgewalt nicht überschritten und die Gehorsamspflicht nicht gekränkt wird; Christus herrscht im Staate, wenn er der Kirche die ihr von ihrem Stifter verliehene Würde als einer vollkommenen Gesellschaft, der Lehrerin und Führerin der anderen Gesellschaft zuerkennt [...] Es gibt also nach alledem keinen Frieden Christi, außer da, wo Christus herrscht. Wir können also auch nicht besser der Sache des Friedens dienen, als indem wir das Reich Christi wiederherstellen."
Soll also Freude und Jubel unser Land erfüllen, dass sogar die Staatsoberhäupter eifrig den Begriff "christlich" im Mund führen und dass Gott deshalb mit Wohlgefallen auf unser Land blickt? Vielleicht ist es nicht ganz verkehrt, diese Frage ein wenig differenzierter zu betrachten. Am 06.07.2004 brachte das Land Baden-Württemberg die Meldung: "Bundespräsident Horst Köhler hält die vierte Weltethos-Rede an der Universität Tübingen. Wie die Stiftung Weltethos mit ihrem Präsidenten Prof. Hans Küng am Dienstag mitteilte, spricht Köhler am Anfang des Wintersemesters. Er sitzt seit sieben Jahren im Kuratorium der Stiftung, die interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung fördert. Bisherige Weltethos-Redner waren der britische Premier Tony Blair, UN-Hochkommissarin Mary Robinson und UN-Generalsekretär Kofi Annan. Köhler hatte als Generaldirektor des Weltwährungsfonds in seiner Eröffnungsrede in Prag betont: «Eine globale Ökonomie braucht ein globales Ethos.» Nach Stiftungsangaben sorgte er dafür, dass die englische Fassung der Wanderausstellung «Weltreligionen – Weltfrieden - Weltethos» vor zwei Jahren in der US-Hauptstadt Washington gezeigt werden konnte. Anlass war die Jahresversammlung des Internationalen Währungsfonds. Köhler hatte bereits im April 2002 die Einladung der Stiftung zu einer Weltethos-Rede angenommen. Diese Zusage will er nun als Bundespräsident einlösen."
Die "Stiftung Weltethos" fordert laut ihrer Grundsatzerklärung eine "neue Weltordnung", die "einen individuellen und kollektiven Bewußtseinswandel" voraussetzt. Wie christlich das ganze ist, ist im Prinzip schon an dem ideologischen Gründer und derzeitigen Präsidenten Hans Khüng zu erkennen. Küng formulierte vor wenigen Jahren ein "Credo", in dem es u.a. heißt: "Nach Auschwitz, dem Gulag und zwei Weltkriegen kann man nicht mehr vollmundig von »Gott, dem Allmächtigen« reden." Nun ist ein Gott ohne Allmacht natürlich nur eine menschliche Illusion, und auf dieser Illusion baut also Küngs gesamte Theologie auf. Zu Christus behauptet Küng: "Soweit wir heute wissen, hat Jesus sich nie Gott genannt. Erst nach seinem Tod und nach bestimmten Erfahrungen hat die glaubende Gemeinde angefangen, den Titel »Sohn« oder »Sohn Gottes« für Jesus zu gebrauchen. [...] Das Glaubenssymbol »Sohn Gottes« meint demnach nicht eine physische Gottessohnschaft, wie in den hellenistischen Mythen und wie von Juden und Muslimen bis heute oft angenommen und zu Recht verworfen. Gemeint ist eine Erwählung und Bevollmächtigung Jesu durch Gott." Das christliche Dogma lehrt hingegen die zwei Naturen Christi, seine göttliche Natur und seine menschliche Natur, wobei Natur im Griechischen "physis" heißt. Küng behauptet also, dass dieses Dogma der zwei Naturen Christi "zu Recht verworfen" wurde. Kurz: Küngs Credo ist durch und durch antichristlich. Nun hat man immerhin schon mal eine Ahnung, zu welcher Form von "Christentum" sich Köhler bekennt. Übrigens wurde Küngs Credo von der Zeitschrift "Publik Forum" verbreitet, und zu den bekanntesten Werbebotschaftern von Publik Forum gehörte Johannes Rau, der in Bezug auf "Publik Forum" erklärt hatte: "Genauso wie die Demokratie von der Vielfalt der Meinungen lebt, können sich auch die pluraler gewordenen Kirchen vom Wechselspiel der Meinungen, von These und Antithese, befruchten lassen. Wir werden die Herausforderungen, die uns Gegenwart und Zukunft stellen, nur lösen, wenn wir gemeinsam - zugleich kritisch und konstruktiv - um den besten Weg ringen." Kürzlich hat sich Köhler auch in einem Interview (Buch von Hugo Müller-Vogg) geäußert: "Es gibt genug Gemeinsamkeiten zwischen den großen Weltreligionen – Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus –, um sich auf Normen eines ethischen Grundverhaltens verständigen zu können. Das Gebot 'Du sollst nicht stehlen' gilt beispielsweise in allen Weltreligionen. Dieselbe universelle Gültigkeit hat Kants 'kategorischer Imperativ'". Bereits wer Bibel und Koran vergleicht, wird sich Köhlers Einschätzung nicht anschließen können. Und der kategorische Imperativ rebelliert ja ganz ausdrücklich gegen Gott als höchste Autorität, indem er den Menschen als absolut freien Schöpfer des Gesetzes hinstellt. Damit werden also Gott und Jesus Christus aus der Gesetzgebung und dem staatlichen Leben verbannt, und das sehe man im Licht der Aussagen von Papst Pius XI.: "Leitet man die Autorität nicht mehr von Gott, sondern von den Menschen ab, dann entzieht man auch den Gesetzen ihre wahre und unerschütterliche Kraft, die Gehorsam sichert".
Ob mit der Situation in Deutschland und insbesondere mit Horst Köhler als Bundespräsident die Basis für den wahren Frieden besteht, kann also nicht mit Sicherheit garantiert werden. Beten wir für unser Land. Amen.

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